Folge 11: Seat Mii electric – lädt er wie ein Großer? DC-Laden am ELA Ladepark Nordhausen

Ein großer Akku im Fahrzeug ist besonders dann von Vorteil, wenn ich ihn schnell vollladen kann. Nur so ist es möglich, auch längere Strecken durch vernünftige Pausengestaltung zeitlich akzeptabel zu absolvieren. Als Maßstab gilt dabei das Supercharger-Netzwerk von Tesla, das nicht nur weiter flächenmäßig ausgebaut wird, sondern auch durch die dritte Generation der Stationen immer schneller werden. Fährt man also mit dem Tesla längere Strecken, kann man sich auf dieses Netzwerk verlassen.

Auch der Seat Mii electric ist gegen Aufpreis von etwas mehr als 600€ mit einer CCS-Dose lieferbar. Bei unserem Modell Plus gehört die Dose sogar automatisch dazu. Laut Herstellerangaben soll der kleine Stromer über CCS bis zu 40 Kilowatt Leistung aufnehmen können. Da wir den Mii bisher ausschließlich an der heimischen Wallbox mit maximal 7,4 Kilowattstunden Leistung geladen haben, sollte ein Test am ELA Ladepark Nordhausen zeigen, was möglich ist.

Das Fazit fällt gemischt aus: die intelligente Ladesäule identifizierte den Seat Mii als ein Fahrzeug, welches maximal 42 Kilowatt Leistung aufnehmen kann. Bei einem Ladestand von 41 % flossen aber nur noch 24 Kilowatt in den Akku. Das ist zwar deutlich schneller als zu Hause, aber nicht zu vergleichen mit Fahrzeugen wie dem Tesla Model 3. Trotzdem wurden in etwas mehr als 40 Minuten (das ist eine längere Pause mit Essen, Trinken, Toilette und Beine vertreten) etwa 13,5 Kilowattstunden in den Akku geladen. Das reicht bei normaler Fahrweise auf der Landstraße und in der Stadt etwa für 100 bis 120 Kilometer. Auf der Autobahn werden es vermutlich nur etwa 70 bis 80 Kilometer sein.

Wenn ich mich also mit dem Seat Mii electric auf eine längere Strecke begebe und zum Zwischenladen stoppen muss, kann ich mich auf eine längere Pause einrichten. Echtes Schnellladen am CCS sieht anders aus. Aber der Kleinwagen ist in einem anderen Revier zuhause: dem urbanen Raum. Dort auf dem Parkplatz an einer AC-Ladesäule abgestellt (Type 2) und angeschlossen, lädt er den Akku während eines zweistündigen Einkaufsbummels in der Stadt auch mit knapp 14 Kilowattstunden auf. Und die hat Mann oder Frau dann auch sinnvoll genutzt.

Sa­fe Light Re­gio­nal Ve­hic­le (SL­RV) – Wasserstoff im Regionalverkehr

Eigentlich beschäftigen sich die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ja mit den Dingen oberhalb der Erdoberfläche. Nun allerdings haben sie ein mit Wasserstoff betriebenes Kleinfahrzeug für den urbanen Raum entwickelt. Beim Treibstoff nehmen sie dabei die Zukunft schon vorweg: das als SLRV (Safe Light Regional Vehicle) bezeichnete Auto fährt nämlich mit Wasserstoff. Dank einer kleinen Brennstoffzelle und einer unterstützenden Batterie wird ein leiser Elektromotor gespeist, der das Fahrzeug antreibt.

Das SLRV soll die Verkehrsprobleme im urbanen Raum lösen und setzt dafür auf Wasserstoff. (Bild: DLR)
Das SLRV soll die Verkehrsprobleme im urbanen Raum lösen und setzt dafür auf Wasserstoff. (Bild: DLR)

Bei der Entwicklung des SLRV ging es um die Verknüpfung von innovativer Leichtbauweise und Effizienz. In der Größe liegt das Fahrzeug dabei genau zwischen einem Polo und einem Golf, bietet aber eine gänzlich andere Karosserie in Sandwich-Bauweise. Diese ist besonders stabil und in Luft- und Raumfahrt schon seit Jahren bewährt. Diese Bauweise führt dazu, dass die gesamte Karosserie gerade einmal 90 Kilogramm auf die Waage bringt, aber deutlich sicherer ist als bei herkömmlichen Fahrzeugen. Das Fahrzeug hat trotz Brennstoffzelle, Batterie und Wasserstofftank nur ein Gewicht von etwa 450 Kilogramm.

Die hochkompakte Brennstoffzelle liefert eine Dauerleistung von 8,5 Kilowatt. Eine Batterie liefert zum Beschleunigen zusätzliche 25 Kilowatt Leistung. Das soll für eine Reichweite bis zu 400 Kilometern reichen und das SLRV auf bis zu 120 km/h beschleunigen. Den Wasserstoff transportiert der sportlich wirkende Zweisitzer in einem 39 Liter fassendem Drucktank, der bei 700 bar etwa 1,6 Kilogramm des Gases aufnehmen kann. Ein paar Informationen zur Herstellung von Wasserstoff und darüber, warum sich besonders die Mineralölkonzerne dafür interessieren, findet man hier.

Gedacht ist das Fahrzeug für Pendler, Carsharing und als Zubringer zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Automobilbau wurde dieses Konzept noch nie in Serie verwirklicht. Sollte es so oder so ähnlich auf den Markt kommen, trifft es auf eine dünne Struktur von Wasserstofftankstellen in Deutschland. Hier wären viele Milliarden Investitionskosten nötig, um ein ausreichendes Netz an Tankmöglichkeiten zu schaffen. Auch wenn die Anschaffungskosten für das SLRV mit etwa 15.000 Euro prognostiziert werden, sind die Investitionen in die Infrastruktur deutlich größer.

Alle weiteren Informationen zum SLRV finden sich hier:
https://www.dlr.de/content/de/artikel/news/2020/04/20201001_erstfahrt-des-safe-light-regional-vehicle-slrv.html

Tesla Model Y noch in diesem Jahr in Europa?

Die bisherigen Pläne von Elon Musk und Tesla für das Model Y sahen so aus: zuerst der amerikanische Markt, dann der asiatische mit Produktion in der Gigafactory Shanghai. Und wenn die Gigafactory in Grünheide bei Berlin im nächsten Jahr die Produktion beginnt, sollten dort die Model Y für Deutschland und Europa vom Band laufen. Allerdings sahen viele Insider darin einen nicht unerheblichen Wettbewerbsnachteil für Tesla gegenüber dem Wettberbern aus dem VW-Konzern. Mit dem Skoda Enyaq und dem VW ID.4 stehen gleich zwei Elektro-SUV in den Startlöchern, die schon Anfang 2021 ausgeliefert werden können. Monate vor dem Model Y also.

Nun allerdings lassen berichtet die Seite Tesmanian von der Möglichkeit, dass in Shanghai die Produktivität so stark erhöht werden könnte, dass dort auch Einheiten für den europäischen Raum möglich wären. Das wäre natürlich eine Sensation und ein gewitzter Schachzug von Tesla! Man käme mit einer eventuellen Auslieferung von in China gefertigten Model Y den beiden Modellen des Wolfsburger Konzerns zuvor. Und auch im Hinblick auf das Quartals- und Jahresende 2020 macht diese Idee Sinn, denn es ist zu vermuten, dass besonders die höherpreisigen Varianten zuerst geliefert werden und so die Marge für Tesla höher ist.

Noch ist das aber alles ein Gerücht, denn wenn man der offiziellen Tesla-Seite glaubt, ist der Produktionsstart des kleineren SUV-Modells erst für Anfang 2021 geplant. Es wäre jedoch auch nicht das erste Mal, dass es in Sachen Model Y etwas schneller geht, wie der um ein halbes Jahr vorgezogene Fertigungsstart in Fremont gezeigt hat. Man darf also sehr gespannt sein, was nach dem chinesischen Nationalfeiertag in der Gigafactory Shanghai passiert und wie der europäische Markt davon tangiert wird. In der Chefetage von Volkswagen allerdings wird man dank solcher Meldungen wohl unruhig auf den Stühlen hin- und herrutschen.

Foto: Kevauto

Förderung privater Wallboxen – für uns leider zu spät

Bild: BMVI, http://www.andreas-scheuer.de/presse/

Manchmal ist man einfach zu früh: schon vor einigen Wochen haben wir bei uns am Haus eine Wallbox installieren lassen. Dem vorausgegangen war eine lange Überlegung über das Für und Wider. Außerdem fragte ich zwei mir bekannte Abgeordnete von Thüringer Regierungsparteien an, ob es nicht auch im Freistaat – ähnlich wie in NRW – eine Förderung privater Ladeinfrastruktur geben würde. Ich erhielt bis heute leider keine Antwort.

Nun also gibt es die Ankündigung von Verkehrsminister Scheuer, dass ab dem 24. November 2020 Anträge zur Förderung privater Wallboxen gestellt werden können. Der Förderbetrag kann bis zu 900€ betragen, allerdings sind die Rahmenbedingungen und Richtlinien recht eng gefasst. Besonders wichtig ist – und das finde ich sehr gut – dass die Ladeeinrichtung mit echtem grünen Strom betrieben wird. Die Abwicklung erfolgt über die KfW-Bank. Ziel der Maßnahme ist die Beschleunigung des Aufbaus von privater Ladeinfrastruktur durch finanzielle Förderung und bessere rechtliche Rahmenbedingungen.

Minister Andreas Scheuer sagte dazu wörtlich: „Ab sofort fördern wir Mietern, Eigenheimbesitzern und Vermietern den Einbau privater Ladestationen auf ihren Pkw-Stellplätzen. 900 Euro Zuschuss gibt es dafür vom Bund. Damit kommen wir unserem Ziel, Laden für alle, immer und überall, einen entscheidenden Schritt näher. Denn ein großer Teil der Ladevorgänge wird daheim stattfinden. Mit unserem Masterplan Ladeinfrastruktur schaffen wir eine flächendeckende Versorgung. Die heute eröffnete Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur sorgt für die schnelle Umsetzung.

Für uns kommt diese Maßnahme wie oben beschrieben leider zu spät. Hätte es sie vor einigen Wochen schon gegeben, dann hätten wir die Wallbox so errichtet, dass man auch von außerhalb des Grundstücks hätte laden können. „Wallbox-Sharing“ ist das Stichwort. Doch für uns allein waren die zusätzlichen Kosten für Erdarbeiten und Standfußmontage damals zu hoch. Aber vielleicht ist es ja etwas für Euch.

Wenn Ihr also für demnächst plant, eine Wallbox mit (mindestens) 11kW-AC-Leistung zu installieren, so schaut Euch das Programm 440 der KfW an.

Wenn zwei Bloggende aneinander vorbeilaufen

Gestern war ich Gast in einem Interview einer renommierten süddeutschen Marktforschungsgesellschaft. Neben mir waren noch drei andere Gäste dabei und wir wurden über unsere Erfahrungen mit der Elektromobilität befragt. Außerdem stellte man uns ein paar Ideen für die Zukunft vor, zu denen wir unsere Meinung äußern sollten. Insgesamt waren das recht kurzweilige 120 Minuten im Zoom-Meeting (so macht man das ja heutzutage). Zum Schluss verabschiedete sich die Moderatorin und einer der Teilnehmenden und wir blieben zu dritt zurück im Chat: Andrea, Jo und meine Wenigkeit.

Da wir in vielen Bereichen gleicher oder ähnlicher Meinung waren, hatten wir uns gleich gut verstanden. Also plauderten wir noch eine Weile über diverse Themen wie Blog, Youtube und E-Mobilität. Dabei stellte sich heraus, dass Jo ein Weltrekordhalter ist – er und ein paar Freunde haben 2019 den Reichweitenrekord für Elektrofahrzeuge im normalen Straßenverkehr erfahren – und einen eigenen Youtube-Kanal betreibt. Andrea ist eine langjährige Bloggerin, die in ihrer Heimat Vogtland gemeinsam mit ihrer Familie und Gleichgesinnten in Sachen E-Mobilität unterwegs ist.

Dabei stellten wir fest, dass Andrea am letzten Samstag auch beim 2. Mitteldeutschen Tag der Elektromobilität vor Ort in Nordhausen war und wir so praktisch aneinander vorbeigelaufen sind. Auch unseren neuen ELA Ladepark hatte sie auf der Rückreise besucht und kam so in den Genuss eines kostenlos beladenen Akkus. Insgesamt also zwei interessante Menschen und wir haben beschlossen, in Zukunft immer mal zu schauen, was die jeweils anderen Beiden so machen.

Hier geht es zu den Internetpräsenzen der Beiden:

  • Blog UNSERSONNENSTROM von Andrea
  • Youtube-Kanal Nur_noch_elektrisch von Jo

2. Mitteldeutscher Tag der Elektromobilität in Nordhausen

Die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (Thega) und die Nordhäuser Firma Intrasol hatten eingeladen und Gäste aus Nah und Fern kamen zum Autodrom im Süden von Nordhausen. Das dortige Gelände bot nicht nur Platz für die Aussteller rund um das Thema Elektromobilität, sondern eben auch eine schöne Strecke, um das eine oder andere elektrische Fahrzeug mal live zu erleben. Das ging bei einigen Modellen als Fahrer, bei anderen nur als Mitfahrer – und bei einigen nur als Zuschauer. Denn dabei handelte es sich um Elektro-Rennwagen der „Formel Students“, die von Studenten aus Göttingen und Ilmenau vorgestellt und ordentlich ausgefahren wurden.

Fast alle in und um Nordhausen beheimateten Autohäuser waren mit ihren aktuellen Modellen vor Ort, auch wenn sich der eine oder andere Plugin-Hybrid unter die reinen Elektrischen gemischt hatte. Das tat aber dem Interesse keinen Abbruch. Leider kamen bei anfangs durchwachsenem Wetter nicht so viele Besucher wie erhofft zu der Veranstaltung. Das ließ manchen Aussteller etwas am Konzept und der Sinnhaftigkeit zweifeln, denn schließlich musste man auch hier eine Standgebühr bezahlen. Doch die Interessenten, die den manchmal langen Weg nach Nordhausen angetreten waren, konnten viele neue Eindrücke mitnehmen.

Vom Bereich PKW über elektrische Zweiräder bis hin zu Bussen, die rein elektrisch unterwegs sind spannte der sich der Bogen. Reinsetzen ging fast überall mit den entsprechenden Hygiene-Vorkehrungen. Bei den Vorführungen der Feuerwehr hielt man besser ordentlichen Abstand, ging es doch dort mit schwerem Gerät zur Sache. Und gegen Hunger und Durst gab es auch Angebote. Am meisten wurde allerdings gefachsimpelt oder den Ausstellern Fragen gestellt, die gern Auskunft gaben. Und so machte auch schnell die Information über den am Vortag eröffneten Ladepark im Osten Nordhausens die Runde.

Ein paar Gedanken und Impressionen habe ich in einem Video verarbeitet:

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