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Demontage in Polen

Demontage in Polen

Wenn eine eine Reise tut … dann muss man irgendwann auch wieder zurück nach Hause. Am gestrigen Samstag war es schon soweit. Und weil sich meine Tochter und ihr Freund schon rechtzeitig um das Nachladen gekümmert hatten, sollte auch die Rückfahrt dank detaillierter Planung gut laufen. Doch unvorhergesehene Ereignisse haben ein paar Herausforderungen parat gehalten. Die hätten einem gewissen BMW-Fahrer sicher den Rest gegeben, aber dazu später.

Am Montag war sie noch da!

Weil es bei der Hinfahrt ein guter Ladespot war, stand auch auf der Rückfahrt der Triple-Charger am Kaufland in Sczcecin auf dem Plan. Der Verbrauch war gut und so fuhr man guter Dinge auf den Parkplatz, nur um zu sehen, dass schon drei Fahrzeuge an der Säule hingen. Kein Problem, es gab ja noch die Ladesäule am Einkaufszentrum gegenüber. Zwar nicht kostenlos, aber das war okay. Nur: die Ladestation war weg! Abgebaut! Ich als „Operator“ zuhause hatte mich auch schon gewundert, warum ich sie in der Moovility App nicht wie am Montag auswählen konnte. Eine Erklärung für die Demontage fanden die beiden Reisenden allerdings nicht.

Was nun? 16 Straßenkilometer weiter war schnell eine Station von Greenway gefunden, die auch mit der ADAC e-Charge Karte freischaltbar war. Da die Abfahrt in Kolberg schon etwas später erfolgte und nun die Ladesäulensuche dazu kam, verschob sich auch der Zeitplan. Es wurde trotzdem knapp eine Stunde geladen und die gut 22kWh hätten 11,50€ gekostet, wäre da nicht das Guthaben durch &charge! Weiter ging es Richtung Berlin.

Nach einem ordentlichen Stau und dem Erlebnis mit einem rückwärts fahrenden (!!) LKW auf der A11 (der die kleine Mimi sicher überrollt hätte, wenn andere Autofahrer nicht auf der Nachbarspur Platz gemacht hätten) kamen unsere Reisenden Punkt 13 Uhr am Allego Charger in Schwanebeck an. Ein Supercharger von Tesla findet sich auch dort. Eigentlich war hier nur eine halbstündige Ladesession geplant, aber man hatte schon Mittagshunger und so ging es erst nach 15 geladenen Kilowattstunden weiter, dank Bonnet Lade App auch kostenlos.

Ionity in Linthe Brück. Das Foto ist von GoingElectric.de verlinkt, noch immer eine der besten Datenbanken für Ladestationen.

Nächster Stopp Autohof Linthe Brück! Sechs Ionity-Säulen warten dort auf E-Reisende und auch hier wurde die Bonnet Lade App eingesetzt. Laut Plan musste hier auf 90% aufgeladen werden, um den Weg bis zum Autohof in Sangerhausen zu schaffen. Da aber das Batterie-Management im Seat Mii electric wieder Schwierigkeiten mit sich und der Umwelt hatte, wurde es mit 90 Minuten ein relativ langer Stopp. Ein leckerer Milchshake von Sam Kullman’s Diner und ein kleiner Einkauf im nahegelegenen Kaufland verkürzten die Zeit. Und die Beine konnten sich die Beiden auch gut vertreten. 18 Kilowattstunden landeten insgesamt im Akku.

Die weitere Fahrt nach Sangerhausen – dort konnten sich beide aussuchen, ob sie an Ionity oder Allego laden wollten (beide mit Bonnet nutzbar) – war recht unspektakulär und auch die Passage durch Halle inklusive Riebeck-Platz stellte kein Problem dar. Gegen 18.30 Uhr war der Autohof erreicht und man entschied sich wieder für Ionity. Das BMS hatte sich scheinbar wieder gefangen, denn 28kW bei 23% Ladestand sind für einen Volkswagen-Drilling gar nicht so schlecht. Man entschied sich dazu, im nahegelegenen Lebensmittelmarkt einzukaufen. Doch da stand noch ein BMW iX3 an der Säule 1 …

Recht guter Wert für den kleinen Stromer!

Dessen Fahrer, so stellte sich heraus, hatte den Elektro-SUV zur längeren Probefahrt. Aber er hatte so seine Probleme damit, was er unseren Reisenden auch lautstark mitteilte. Laden ginge nicht, das Auto verbrauche zu viel und überhaupt ginge das mit dieser ganzen Elektroscheiße ja eh noch nicht. „Doch,“ entgegnete meine Tochter, „wir kommen gerade aus Polen.“ Ungläubig zeterte er weiter und schwor auf seinen 400-PS-Diesel. „Mit ein wenig Vorbereitung und mit den richtigen Ladekarten ist so eine Reise problemlos möglich und kostet weniger als dein Diesel!“ (Meine Tochter war sackig über den BMW-Fahrer und wären sie dann nicht zum Einkaufen gegangen, hätte sie ihn bestimmt noch geboxt.)

Dann waren sie endlich wieder zuhause und waren froh und stolz, diesen Ritt so hinbekommen zu haben. Auch der „Operator“ bekam Lob für seine Unterstützung und Planung.

Schauen wir uns doch mal ein paar Daten an:

Gesamte Fahrstrecke:
Durchschnittsgeschwindigkeit:
Durchschnittsverbrauch:
reine Fahrzeit:
insgesamt geladen:
reale Kosten:

1.179 Kilometer
76km/h
124Wh/km
15:34h
128 Kilowattstunden
50 Zloty (11,50€) für Parken und Laden in Kolberg

Fazit:

Das Reisen mit dem Elektroauto funktioniert! Nicht nur mit einem Tesla mit großem Akku und sehr guter Ladeinfrastruktur, sondern auch mit einem „Stadtauto“. Wenn man gut plant und die Technik mitspielt (und kein Rapid-Gate zuschlägt). Natürlich ist es zeitlich nicht mit einem Dieselritt vergleichbar, aber alle 120 bis 150 Kilometer eine Pause zu machen, tut der Konzentration gut und man kann etwas essen, einkaufen, ein paar Schritte laufen … es gibt so viele Möglichkeiten.

Für das nächste Mal können sich die Beiden so eine Reise übrigens gut in Etappen vorstellen: am ersten Tag nach Berlin, dort ein, zwei Tage verbringen und dann weiter an die Ostsee. Auf dem Rückweg dann ähnlich mit einem Tag in Potsdam oder im „Tropical Island“. Alles möglich auch mit so einem kleinen Stromer wie dem Seat Mii electric!

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