ZDF Frontal21 und Tesla – leider keine Freunde

Am gestrigen Abend beglückte uns die Redaktion vom ZDF-Magazin Frontal21 mit einer Dokumentation über die Ansiedlung von Tesla in Grünheide bei Berlin und daraus resultierende Probleme. Im beschreibenden Text dazu heißt es:

Frontal21 hat den Bau über Monate mit der Kamera begleitet und dokumentieren (sic!), wie Politik und Behörden an ihre Grenzen kommen. Alles, was sonst Jahre dauert, muss nun in wenigen Monaten genehmigt werden.

Tesla in Grünheide; ZDF Frontal21, Foto: Frank Vieltorf

Der Beitrag ist bis zum 16. März 2022 in der ZDF Mediathek zu sehen.

https://www.zdf.de/politik/frontal-21/dokumentation-turbo-tempo-tesla-elon-musk-in-brandenburg-100.html

Als jemand, der in den brandenburger „Wälder“ genannten Kieferplantagen während der Armeezeit hier durch den Sand gerobbt ist, habe ich eine ganz eigene Meinung dazu. Schon vor über 100 Jahren hat man da schnellwachsende Nadelhölzer gepflanzt, die für die Papierindustrie wichtig waren und sind. Die brauchen wenig Wasser (aha, damals schon!), brennen dafür aber auch ganz gut. Mit meiner damaligen Freundin waren wir oft in den brandenburgischen Wäldern unterwegs und im Sommer warnte immer das allgegenwärtige Schild vor der Waldbrandgefahr.

Vorher habe ich hier Urlaub gemacht als Kind und hier habe ich sogar gebadet. Im Sommer ist es da immer sehr trocken, aber es gibt viele Mücken, die auf Wasser hindeuten. Ach ja, die Spree fließt dort lang!
Dass es einen speziellen Schutz für das Grundwasser dort gibt, wusste die Politik, als sie Tesla das Stück anboten. Was 2000 mit BMW nicht geklappt hat, sollte nun mit Elon Musk etwas werden. Es gibt dort zwar schon Ansiedlungen auf einem ehemaligen Militärgelände mit anrüchiger Geschichte, aber man hatte ja das schon längst ausgewiesene Industriegebiet.

Tja, und nun baut Tesla dort und legt dabei eine Geschwindigkeit vor, die man in deutschen Amtsstuben nicht gewohnt ist. Schlecht ist das nicht, kann es doch als Positivbeispiel zum nur wenige Kilometer entfernt liegenden BER dienen. Für die Region ist es eine Disruption, aber eben eine sehr positive: neue Arbeitsplätze kommen dorthin (und nicht nach Polen oder Westdeutschland oder England), die Infrastruktur wird aufgewertet (Autobahnanschlüsse, Zubringerstraßen und Bahnanschluss für Güter und Personen).

Wenn man bei der Karte oben herauszoomt, sieht man die Wasservielfalt in dieser Gegend: Flüsse, Seen, Kanäle – auch letztere gibt es schon sehr lange. Wenn sich jetzt die „NIMBYs“ wie Trixi Hundertmark aufregen, dann liegt das auch daran, dass die Anwohner dort zum Wassersparen aufgefordert sind. Nicht beim Trinkwasser und auf dem Klo, sondern beim Rasensprengen. Auch das gab es schon vor Jahrzehnten, wenn die Sommer heiß waren.

Nun drehe ich mal meinen Blickwinkel: wenn ich Journalist bei Frontal21 wäre und wollte, dass mein Bericht Wellen schlägt (und das macht er wohl), dann hätte ich ihn ähnlich provokant geschnitten wie wir gesehen haben. Vielleicht hätte ich noch ausgleichend erwähnt, dass die Wiederaufforstung im Auftrag von Tesla die 3,5fache Fläche der gerodeten entspricht und dass dort Mischwald gepflanzt wird, der ökologisch einen deutlich besseren Einfluss nehmen wird als es die stacheligen Nadelbäume auch nur ansatzweise könnten.

Zusammenfassend sage ich: der Bericht hat nicht gelogen, aber durch die Schnittfolge und das Aneinanderreihen von Aussagen, die Tesla und die dortige Politik in ein nicht gerade gutes Licht stellen, wenn man manche Hintergründe nicht kennt, ist er einseitig und populistisch geworden. Das dahinterstehende Interesse ist mir nicht ganz klar, vielleicht durften Michael Hölting und Ilka Brecht bisher einfach nur keine Probefahrt machen.

ZDF Frontal21 und Tesla – leider keine Freunde
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2 Kommentare zu „ZDF Frontal21 und Tesla – leider keine Freunde

  • 21. April 2021 um 12:06
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    Die Autoren sind, wie beim ZDF üblich* mit einem fertigen Skript losgerannt und haben dann die Bilder dazu gedreht. Diese Bilder mussten ihr Skript stützen. Alles andere wurde nicht gezeigt. Man nennt sowas „sripted reality“ und es wird für gewöhnlich für Sendungen wie Dschunngelcamp oder Big Brother eingesetzt. Einen Müll auf diesem Niveau als „Dokumentation“ zu bezeichnen bringt lediglich das ZDF fertig.

    *Hier meine kleine Geschihcte zum ZDF. Ich wohnte als Kind (7-8J) in den 70gern auf dem Lerchenberg. Eines Tages (da war das ZDF dort noch im Bau begriffen) standen Leute mit einer Kamera vor mir und meinem Freund: „Ob wir für die Kamera mal ein bisschen zum Spaß raufen könnten“. Taten wir natürlich. „Ob ich meinen Freund auch mal in den Schwitzkasten nehmen könnte“. Klar machten wir das. Im späteren Bericht – so meine Tante – der sich „Schlüsselkinder“ nannte – wurde thematisiert, wie die Kinder verrohen und verwahlosen, wenn ihre Mütter arbeiten gehen (war damals gerade großes Thema, weil neu, dass Frauen ohne Einwilligung ihrer Ehemänner einen Arbeitsvertrag unterschreiben durften) . Deshalb hatte der „Journalist“ vom ZDF auch jeweils einen Schlüssel an einer Paketschnur, den wir vorher um den Hals legen und demonstrativ über dem Pullover tragen mussten – wurde mir dann klar. Glaubwürdigkeit und ZDF habe ich seit jenen Tagen für mich abgehakt.

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    • 2. Mai 2021 um 13:09
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      Danke für den Kommentar.
      Ich würde das nicht generell auf nur auf das ZDF begrenzen, sondern auf alle modernen Medien. Und ich würde auch sagen, dass es zumindest bei den ÖR (noch) die Ausnahme ist statt die Regel. Schließlich steht aber heute die Einschalt-/Klickquote über allem Anderen und wird weiter solche Ergebnisse zeigen. Und das ist sehr schade!

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