Der Stand der Dinge beim Laden in Nordhausen

Ein Beitrag in Facebook erhitzt gerade die Gemüter: es geht um die zur Zeit sehr hohen Preise für fossilen Kraftstoff an den Tankstellen in Nordhausen. Mal davon abgesehen, dass die Preise denen des Jahres 2011 gleichen, also gar nicht ungewohnt sein dürften, kam in der Diskussion auch die Meinung auf, dass die Ladeinfrastruktur in der Rolandsstadt noch zu gering sei.

Es sollte also an der Zeit sein, sich einmal damit auseinanderzusetzen. So sieht die Anzahl der Ladesäulen aktuell aus:

Quelle: www.chargeprice.de

Dieser Stand der Ladestationen ist allerdings ein wenig durch mich bearbeitet worden, da ich über das Standorttool des Bundesverkehrsministeriums auf neue Stationen aufmerksam gemacht worden bin. Im Einzelnen sind das diese:

• Hellweg-Baumarkt (öffnet in Kürze mittlerweile in Betrieb)
• McDonalds (Zeitpunkt noch offen, aber laut Mitarbeiter sicher)
• REWE Markt in Salza (Zeitpunkt noch offen, laut Markt gar kein Ladepunkt vorgesehen)

Laut diesem Standorttool sollten auch an zwei Tankstellen Schnellader gefördert werden:

• Shell Halle-Kasseler-Straße (ist auf AC-Lader geändert)
• Total Hallesche Straße (ist nicht mehr im Standorttool zu finden)

Eine Besonderheit stellt auch noch der Triple-Charger in Nordhausen-Ost dar, da er sich auf einem Privatgelände befindet und nur wöchentäglich für einige Stunden geöffnet hat.

So schlecht sieht das also für Nordhausen schon jetzt gar nicht aus und es ist anzunehmen, dass es in absehbarer Zeit weiteres Engagement gibt seitens Discounter/Märkte, Autohäuser und auch Tankstellen. Diese wollen sich das zukünftige Geschäft sicher nicht allein den Energiekonzernen überlassen.

Doch ist das schon ausreichend? Meines Erachtens nach nicht, denn oft gehen die Überlegungen zum weiteren Ausbau der Lade-Infrastruktur vom gewohnten Procedere beim Verbrenner aus: ist der Tank leer, fahre ich zur Tankstelle. Dieses Prinzip lässt sich nur eingeschränkt auf die E-Mobilität anwenden. Praktikabel ist diese Vorgehen nämlich nur bei Langstrecken-Fahrten, wenn ich schnell von A nach B muss. 

Für die täglichen Fahrten – im Schnitt fährt der deutsche Autofahrer knapp 40 Kilometer am Tag – sieht das Procedere anders aus. Es lässt sich in einem einfachen Merksatz zusammenfassen: „Steht er, dann lädt er!“ Vielen Dank an Ove Kröger für dieses mittlerweile geflügelte Wort. Es bedeutet in der Praxis, dass man jede sich bietende Gelegenheit nutzt oder nutzen sollte, die sich einem bietet.

Die Ladegeschwindigkeit ist dabei nicht das ausschlaggebende Moment. Bei einer Fahrt vom eigenen Zuhause zum Einkaufsmarkt und zurück beträgt vielleicht 25 Kilometer. Auf dem Parkplatz des Marktes habe ich eine AC-Ladestation, die 7 Kilowatt Leistung bereitstellt. Halte ich mich 30 Minuten dort zum Einkaufen auf und lade in dieser Zeit mein Auto, so sind 3,5 Kilowattstunden in den Akku geflossen. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 14 kWh pro 100 Kilometer wurde also in diesen 30 Minuten wieder soviel Energie in den Akku geladen, wie für Hin- und Rückfahrt benötigt wurde.

Schauen wir uns unter dieser Annahme nochmal die Karte von Nordhausen an, die ich um einige Kreise ergänzt habe:

Quelle: www.chargeprice.de; eigene Bearbeitung

Der innere kleinere Kreis (violett) stellt den Bereich der Innenstadt von Nordhausen dar. Südharz-Galerie und Marktpassage liegen darin, die Einzelhandelsgeschäfte, Theater, Kino, Banken, Restaurants, Ärzte. Alles Orte, die man besucht und an denen man eine gewisse Zeit verweilt. Hier ist ein Ausbau von AC-Ladestationen mit Leistungen von 3 bis 11 Kilowatt empfehlenswert. Aktuell sind in den Parkhäusern beider Einkaufszentren keine (!) Ladestationen. In Parkhäusern in Oslo beispielsweise kommt oft eine Ladestation auf zwei Parkplätze.

Diese Menge muss es kurzfristig gar nicht sein, jedoch stellt der Aufbau von einem Ladepunkt pro 10 Stellplätzen in den beiden Parkhäusern keine unmögliche Investition dar. Auch auf dem Bebelplatz, wo sich aktuell zwei Ladepunkte befinden, wäre eine solche Quote zu empfehlen. Dazu kommen die Parkflächen in der Käthe-Kollwitz-Straße, der Wallrothstraße (Parkplatz Altstadt), in der Hundgasse und in der Rautenstraße. Auch der Platz der Gewerkschaften (aktuell zwei Ladepunkte) könnte mit dem Schlüssel 1:10 ausgebaut werden.

Der größere Kreis (rot) umfasst dann Groß- und Baumärkte, P&R-Parkplätze mit Anschluss an den ÖPNV und weitere Ziele, an denen man sich eine kürzere bis mittlere Zeit aufhält. Hier sind Kombinationen aus AC- und DC-Ladepunkten angebracht, wobei gerade bei DC keine extremen Ladeleistungen notwendig sind. Die bekannten Triple-Charger mit Ladeleistungen zwischen 20 und 50 Kilowatt wären von der Art her ideal. Die Besucher könnten dann selbst wählen, ob sie eine langsamere oder schnellere Ladung nutzen wollen.

Schließlich die vier kleinen Kreise (schwarz). Das sind die Tankstellen bzw. der Ladepark Richung Bielen an den Ausfallstraßen der Stadt. Wer hier lädt, will schnell weiter, daher sind hier Hochleistungslader (HPC) die beste Wahl. Der ELA-Ladepark sowie der Hellweg-Baumarkt sind dort ideal platziert, es fehlen „nur“ die Tankstellen (2x Aral, Total, Shell und Jet). Hier könnten die E-Autos relativ schnell eine gewisse Reichweite nachladen, während die Reisenden sich in den zugehörigen Shops resp. bei McDonalds versorgen.

Die Ladungen müssen dabei nicht kostenlos sein!

Auch in Parkhäusern, auf Parkplätzen, vor Märkten und Discountern müssen keine kostenlosen Ladepunkte vorgehalten werden. Natürlich kann man als Betreiber damit Kunden anlocken, aber das macht man ja auch nicht mit Verbrennerfahrern. Ein verträgliches Preisgefüge kann aber auch lukrativ sein, z.B. wenn man durch das Einkaufen beim entsprechenden Markt einige Frei-Kilowattstunden erwirbt. Das ist wirkliche Kundenbindung!

Es wird sich nämlich schnell rumsprechen unter den E-Auto-Fahrern, wo und welche Boni es an dieser oder jener Stelle gibt. Sie werden dort gezielt hinfahren, so wie sie es auch schon bei Hotels machen, die explizit eine Lademöglichkeit für ihre Gäste anbieten. Und mit einem Parkticket, welches Parkdauer und mögliche Strommenge in einer Mischkalkulation umfasst, kann sicher Jede und Jeder umgehen.

Fazit:
Stand heute ist die Ausstattung an Ladestationen schon gar nicht so schlecht, aber (noch) nicht zukunftsfähig. Bei der weiteren Entwicklung der aktuellen Zulassungszahlen ist ein höherer Bestand von elektrischen Fahrzeugen bei Bewohnern und Besuchern anzunehmen. Darauf muss man sich vorbereiten. Wir werden das weiter beobachten.

Der Stand der Dinge beim Laden in Nordhausen
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