Mimi zieht ein

Mit einer vierköpfigen Familie im ländlichen Raum kommt man mit nur einem Auto nicht ganz hin. Auch wenn ich mich bemüht habe, den häuslichen Fahrdienst mit dem Tesla zu organisieren und zum Teil auch selbst durchzuführen, wurde der noch vorhandene Seat Ibiza insbesondere von den Jungerwachsenen rege genutzt. Sicher spielte dabei auch die individuelle Freiheit eine Rolle. Und es ist eben eine coole Sache, selbst mit einem Auto unterwegs zu sein.

Aber mich störte immer die Motorisierung: ein 1,2-Liter-Dreizylinder werkelte unter der Motorhaube. Diesen konnte man schon recht sparsam fahren und auch der Nachwuchs fand die sportliche Herausforderung eines niedrigen durchschnittlichen Verbrauchs interessant. Nur das Befüllen an der Tankstelle war sehr unbeliebt – aus Gründen des Geruchs und natürlich auch finanziell. Also reifte die Idee, auch den Zweitwagen zu elektrifizieren.

Und die Zeit dafür schien wirklich günstig, denn schließlich ermöglichen ja die aktuelle Innovationsprämie und der zeitweise gesenkte Mehrwertsteuersatz interessante Angebote besonders im Segment Kleinwagen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne die entsprechenden Anbieter gemacht! Denn nach der ersten Euphorie und den wirklich sehenswerten Offerten zum E-Golf, zum elektrischen Smart und auch bei der Zoe von Renault verschwanden diese ebenso schnell, wie sie gekommen waren: die Nachfrage war einfach zu groß!

Besonders merkte man dies beim UpMiiGo, also beim Drillingspack aus dem Volkswagen-Konzern. Erst ganz groß und mit kaum zu glaubenden Aktionen beworben, verschwanden die drei Kleinstwagen aus den Konfiguratoren. Seat machte beim Mii den Anfang, Skoda folgte bald und schließlich verschwand der E-Up auch bei der Kernmarke VW. Vorher wurden noch Lieferzeiten von 10 Monaten und mehr genannt, die zumindest für unseren Plan unrealistisch waren. Was also tun?

Eine Lösung fand sich, als in den einschlägigen Portalen nach Vorführwagen mit Baujahr 2020 suchte. Da waren teils abenteuerliche Angebote dabei, die preislich mehr als unrealistisch waren, zumindest dann, wenn man die staatliche Innovationsprämie mit 6.000€ ansetzen würde. Allerdings war diese Anfang 2020 noch bei 2.500€ und wurde dann im März zaghaft auf 3.000€ erhöht. Diese Tatsachen muss man im Hinterkopf haben, wenn man auf die Suche geht. Und siehe da: nach mehreren Tagen ohne akzeptablen Preis fand ich ein Angebot für einen Seat Mii electric plus, das gerade eingestellt worden war.

Keine Bilder, aber eine lange Ausstattungsliste weckten mein Interesse. Und auch die Entfernung von ca. 50 Kilometern bis zum Händler ging in Ordnung. Also nahm ich schnell den Telefonhörer und zeigte Interesse. Ein Probefahrttermin war schnell gefunden und ich nahm eine Tochter und den Seat Ibiza mit, weil wir diesen natürlich in Zahlung geben wollten. Eine halbe Stunde Fahrt durch das Harzer Vorland und ein Telefongespräch mit meiner Frau später stand fest: wir wollen die Kleine haben. Da wir uns auch über den Ankauf des Ibiza einig wurden, machten wir Nägel mit Köpfen.

Und seit Montag ist sie nun also Teil der Familie: „Mimi“, ein Seat Mii electric plus in Schwarz metallic. So getauft wurde sie natürlich von unseren Mädchen, die auch schon den Namen „Elli“ für unseren Tesla und „Evy“ für den früheren Nissan Leaf zu verantworten hatten. Alle Familienmitglieder sind schon mit ihm gefahren. Die einhellige Meinung: ein tolles, kleines Auto! Preislich liegt er dank der Förderung ungefähr da, wo ein passender Verbrenner liegen würde. Allerdings ist nicht nur die Ausstattung für so ein kleines Auto sehr gut – auch die elektrische Motorisierung ist grandios.

Hier der Vollständigkeit halber ein paar technische Daten (entnommen den Herstellerangaben):

  • Elektromotor mit 61 kW (83 PS) mit einem maximalen Drehmoment von 212 Nm (!!)
  • Akku mit einer Netto-Kapazität von 32,3 kWh
  • Reichweite nach WLTP ca. 258 km (im Stadtverkehr deutlich über 300 km möglich)
  • abgeriegelt bei 130 km/h, die 100 km/h werden nach 12,3 s erreicht

Laden können wir Mimi an unserer Wallbox von Heidelberg. An dieser zieht er auf zwei Phasen Strom und kann dabei eine Leistung von bis zu 7,2 kW abrufen (kann man in vier Stufen im Fahrzeug regeln). An der DC-Säule sollen es bis zu 40 kW sein, aber da steht ein Test unsererseits noch aus. Alle bisherigen Infos bei Youtube usw. weisen darauf hin, dass die Ladeleistung fast immer darunter liegen soll. Da Mimi aber für den lokalen Verkehr rund um unser Zuhause gedacht ist, wird sie wohl meistens an der heimischen Wallbox geladen werden.

Damit sind wir nun, was die beiden PKW angeht, komplett elektrisch unterwegs. Und es fühlt sich gut an!

Mimi zieht ein
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