Alles gegen die Prognose

Seit Juli 2011 haben wir auf unserem Haus eine Fotovoltaik-Anlage in Betrieb. Wir nutzen also die Kraft der Sonne, um elektrischen Strom zu erzeugen. Den verbrauchen wir zum Teil selbst und zu einem anderen Teil wird er in das öffentliche Netz eingespeist. Die meisten Anlagen dieser Art auf deutschen Dächern arbeiten nach diesem Prinzip. Am Ende eines Jahres ist Zeit, mal einen Blick auf die Zahlen zu werfen.

Das Jahr 2019 ist zu Ende, und in diesem Jahr haben wir die folgenden Zahlen in der Statistik:

Erzeugte Energie:
davon selbst verbraucht:
eingespeist:

Anteil Eigennutzen:

bezogene Energie:

4.746 kWh
1.553 kWh
3.193 kWh

33%

3.204 kWh

Besonders die letzte Zahl ist interessant, ist sie doch fast identisch mit der Menge der durch uns eingespeisten Energie. Das bedeutet, dass die Anlage und natürlich die Sonne dafür gesorgt haben, dass sie praktisch exakt den Strom erzeugt hat, den wir auch verbraucht haben. Das nennt man wohl Punktlandung! Am Anfang des Jahres sah es nicht ganz so aus, aber ein Sondereffekt hat dies ermöglicht.

Nissan Leaf 2012. Foto: © BSEplus.de

Der Sondereffekt war unser Elektroauto, welches wir bis zum Frühjahr hatten und das die Statistik ein wenig verfälscht hat. Wir haben es nämlich zuhause geladen, und das natürlich auch in der dunklen Jahreszeit. Und während im Sommer der Autostrom vom Dach kam, musste ohne Sonnenschein eben Strom zugekauft werden. Das war die vergangenen Jahre so: die Energiebilanz der PV-Anlage war dadurch negativ. Dass wir das Elektroauto trotzdem günstiger gefahren haben als einen Verbrenner, obwohl wir Strom kaufen mussten, ist eine andere Geschichte.

Etwas Anderes entdeckt man nämlich, wenn man sich einmal die Statistik der letzten Jahre anschaut. Das Jahr 2011 – dort gab es nur anteilig Strom – zählen wir dabei mal nicht mit. Es geht um die Prognose, die damals durch die Errichterfirma (zwischenzeitlich insolvent, aber auch das ist eine andere Geschichte) erstellt wurde. Gestartet sind wir mit einer Jahresprognose von 4.002 kWh. Diese Energiemenge sollte sich aufgrund der Alterung der Solarzellen von Jahr zu Jahr verringern und nach 20 Jahren nur noch 3.374 kWh betragen.

Statistik der PV-Anlage 2012 – 2019. Grafik: © BSEplus.de

Die gelbe Linie zeigt die Prognose wie oben beschrieben an. Die grüne Linie, welche die Gesamterzeugung darstellt, liegt immer konsequent über der Prognose. Man beachte besonders den Peak im letzten Jahr, wobei sich auch 2019 und 2015 nicht verstecken müssen. Trotz der damals prognostizierten Degression lag der Ertrag immer darüber, 2018 sogar mehr als 1.150 kWh. Nun, die Sonne scheint öfter und länger, es ist trocken und dadurch sind weniger Wolken unterwegs. Man kann es also durchaus auf das Wetter schieben, was in diesem Fall sogar positiv zu betrachten ist.

Die „Problematik“ mit unserem früheren Elektroauto kann man an der orangen und der blauen Linie ablesen: ist die erste unser Verkauf an den Netzbetreiber, so zeigt die blaue Linie unseren Zukauf an. Dieser lag in den Jahren, in welchen der Leaf bei uns geladen wurde, höher als der Verkauf. Jetzt, am Ende von 2019, sind wir auf Gleichstand und im nächsten Jahr werden wir voraussichtlich wieder eine positive Bilanz der PV-Anlage haben.

Vielleicht schaffen wir es ja auch, die graue Linie zu verbessern, welche unseren Eigenverbrauch anzeigt. Doch mehr als 33% sind da bei einem normalen Haushalt kaum möglich, wenn man nicht über eine Speicherlösung nachdenkt. Das wäre aber ein Kostenfaktor, der gut überlegt sein will. Doch das wäre wieder eine andere Geschichte …

Alles gegen die Prognose
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4 Kommentare zu „Alles gegen die Prognose

  • 1. Januar 2020 um 20:21
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    Im Rahmen der Überlegung, dass a) Energie immer teurer wird und b) immer mehr davon gebraucht wird – als Beispiel sollen die vollklimatisierten Häuser dienen, vom denen es immer mehr gibt, wäre eine Überbrückung in Zeiten der hohen Netzauslastung, man spricht ja mittlerweile von rationierten Strommengen , sicher eine gute, wenn leistbare Lösung.

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    • 2. Januar 2020 um 13:44
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      Überbrückung ist das eine, das helfen kann. Noch besser sogar, wenn die Häuser Speicherkapazitäten haben.
      Aber auch ansonsten ist es besser, Energie dort zu erzeugen, wo sie gebraucht wird (dezentral), anstatt fette Leitungen durch das ganze Land zu ziehen. Schon vor 20 Jahren hätte man gesetzlich regeln können, dass auf öffentliche Gebäude, die neu gebaut oder modernisiert werden, eine PV-Anlage muss! Das hätte auch der heimischen Solarbranche gut getan.

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  • 2. Januar 2020 um 14:53
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    Persönlich wundere ich mich seit Jahren, wie auf den riesigen Dächern von Discounterneubauten nicht eine Solarzelle zu sehen ist. Gleiches gilt für Neubauten unsrer Gemeinde. Nur neu gebaute Häuser müssen vier Solarzellen auf dem Dach haben. Das riecht mir stark nach Lobby, wird sich aber als bald als Fehler herausstellen. Genauso wie das angeblich total nachhaltige Heizen mit Holz.

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    • 2. Januar 2020 um 15:01
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      Die nächste irre Geschichte! Was da in Sachen Holzheizung unter dem Deckmantel „nachhaltig“ verkauft wird, ist ja eigentlich schon Körperverletzung.
      Wenn es solch ein Gesetz wie geschrieben gegeben hätte, würde es noch ein deutsche Solarbranche geben. Protektionismus mal richtig gemacht.

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