Was im Januar passierte (II) 1 Kommentar


Dieser Januar bringt ein zehnjähriges „Jubiläum“, aber dieses hat ein Vorgeschichte, die bis in das Jahr 1996 hineinreicht. Wahrscheinlich, denn so ganz genau weiß man ich es nicht. Damals hatte ich ein paar Probleme mit einem Taubheitsgefühl im Brust- und Bauchbereich. Da ich vor dieser Zeit recht viel Sport getrieben hatte und auch ansonsten ganz fit war, ging man von einer Art „Spätfolge“ aus und verfolgte das Thema nicht weiter. Und die Beschwerden ließen auch irgendwann nach und waren vergessen.
Bis zum Sommer des Jahres 2001 …

Zu dieser Zeit kam es es zu einigermaßen beunruhigenden Begebenheiten. So begab es sich zum Beispiel bei einem normalen Spaziergang, dass ich plötzlich keine Gewalt mehr über meine Beine hatte. Ich spürte deutlich die Kraft, hatte aber keine Chance, sie in vernünftige Bahnen zu lenken. So sackte ich einfach zusammen. Nach einer Pause am Wegesrand von etwa 15 bis 30 Minuten ging es dann wieder – zumindest ein Stück des Weges. Dann wiederholte sich das Ganze. So dauerte es teilweise eine ganze Weile, bis ich wieder am Ziel war. Außerdem sah mein „Gang“ für einen Beobachter aus, als hätte ich ordentlich getankt, was aber nicht der Fall war.

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Beunruhigt suchte ich Rat beim Allgemeinmediziner, aber dort hob man nur fragend die Schultern. Ich solle mich doch mal an einen Sportmediziner wenden (ich hatte meine Story von 1996 erzählt) oder direkt an einen Neurologen. Also vereinbarte ich einen Termin mit letzterem. Und zwar für Dezember. Bei Fachleuten wartet man als gesetzlich Versicherter halt auch mal auf einen Termin. Bei ihrer Untersuchung sagte dann die Neurologin nicht viel, sondern testete hier, probierte da und schrieb sich viele Dinge auf. Dann sagte sie, dass ich mal für eine Woche ins Krankenhaus einziehen sollte, da dort eine bessere Diagnostik möglich wäre.

So zog ich im Januar 2002 für eine gute Woche in das Südharz-Krankenhaus Nordhausen ein. Zu meiner Freude arbeitete dort ein ehemaliger Schulfreund als Assistenzarzt. Und der begleitete mich durch die verschiedenen Untersuchungen. Mir wurde Blut abgezapft, ich kam in die „Röhre“ (so wird ja ein MRT im Volksmund gern bezeichnet) und es wurden diverse Sensibilitätstests gemacht. Und dann gab es da noch die Lumbalpunktion, die nicht nur für mich, sondern auch für die durchführende junge Ärztin eine Premiere war. Der Einstich selbst war nicht schmerzhaft, dafür hatten es die anschließenden Kopfschmerzen in sich.

Und dann, eine Woche vor meinem Geburtstag, sollte ich die Diagnose erhalten. Zuvor erlauschte ich bei einem Ärztegespräch über mich irgendwas von „Einstellung auf Medikamente“ und „Spritzen“. Mein erster Gedanke war: Scheiße, das ist irgendwie Krebs! Im Gespräch mit meinem Schulfreund und Arzt erfuhr ich dann aber, dass bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, was ich wegen meiner ersten Vermutung erstmal mit Erleichterung aufnahm. Denn bisher hatte ich von der „MS“ nicht viel gehört. „Muskelschwund“? Keine Ahnung.

Nun – vor zehn Jahren habe ich also eine dauernde Begleiterin an die Seite bekommen. Aktuell sieht es trotz aller Forschungserfolge nicht so aus, dass meine Krankheit mal heilbar und die entstandenen Schäden reversibel sein könnten. Aber zumindest Einhalt könnte ihr geboten werden. Wenn alles gut geht, und wenn die Pharmalobby genug mit den vielen „lindernden“ Präparaten verdient hat. Auch das kann noch dauern, wenn man sich z.B. die Geschäftsergebnisse entsprechender Herstellerfirmen anschaut. Man verdient halt zu gut daran.

Ich selbst – und auch meine Familie – wir haben uns so gut es geht mit der Krankheit arrangiert. Viel mehr bleibt auch nicht übrig. Medikamente nehme ich im Moment keine und habe dazu auch keine Veranlassung. Der letzte Schub liegt knapp ein Jahr zurück, es ist einer der leichteren gewesen. Was noch kommt, kann ich aktuell nur ahnen, aber das will ich nicht. Ich bin im Rahmen der Möglichkeiten leistungsfähig, und auch die Kollateralschäden sind zur Zeit überschau- und beherrschbar. Aber – zehn Jahre sind schon eine lange Zeit …


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Ein Gedanke zu “Was im Januar passierte (II)

  • Magrat

    Huhu, lieber Dirk…

    …wir haben ja schon das ein oder andere Mal über deine MS gesprochen… Ich finde es nach wie vor klasse, wie du damit umgehst, finde es interessant und wichtig hier zu lesen, wie es damals bei dir begann… die Symptomatik ist ja nun mal bei jedem irgendwie anders… und es besteht ja nach wie vor noch viel Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung. Durch die MS meines Opas bin ich quasi mit dem Wissen um diese Krankheit aufgewachsen… und immer auch ein wenig mit der Angst davor… aber das hatte ich glaube ich schon einmal erwähnt… 😉

    So bleibt nur zu hoffen, daß sich hier in naher Zukunft ganz viel in der Forschung tut, und eben nicht nur zu Linderungszwecken… vor allem aber drücke ich die Daumen, daß du es auch weiterhin so gut „wegsteckst“, und mögen die ollen Schübe, wenn sie denn unbedingt kommen müssen, immer von der „leichten Sorte“ sein.
    Du hast eine tolle Familie, die dich unterstützt, und gemeinsam schafft ihr das… 🙂

    Liebe Grüße… (und sobald ich mich von meiner Mandel-OP erholt habe, überlegen wir uns mal einen Termin zwecks Kaffee-und-Kuchen-Besuch, ja? ;)) )

    Mandy