Mal ein Nokia, weil es so schön ist 2 Kommentare


Dass es Nokia noch immer drauf hat, ordentliche Telefone zu bauen, habe ich ja im Artikel über das Nokia 700 schon geschrieben. Nur das Problem der Software bleibt, und gerade in Sachen Smartphones waren die Finnen bisher eben nicht erfolgreich. Das soll sich nun dank der Zusammenarbeit mit Microsoft von Grund auf ändern. Ob etwas Gutes dabei herauskommt, wenn sich zwei Problemkinder auf diesem Gebiet verbünden, durfte ich anhand des nagelneuen Lumia 800 testen.

Bevor ich aber zum Gerät selbst komme, ein paar Worte zum Betriebssystem. Microsoft durfte sich nach dem Start von WindowsPhone 7 ja eine Menge Kritik anhören. Auch bei meinem Test des HTC HD 7 kam die Software der Amerikaner nicht wirklich gut weg. Grund genug für Steve Ballmer und sein Team, die Ärmel hochzukrempeln und ordentlich unter der Haube zu schrauben. Dabei heraus kam Version 7.5 mit dem schönen Namen „Mango“. Und es wurden wirklich eine Menge der Kritikpunkte abgestellt.

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So kann das neue Windows nun auch Textstellen kopieren und anderswo wieder einfügen. Aber gut, das hat bei Apple auch einen Moment gedauert. Auch dem Internet Explorer wurden Beine gemacht, auch wenn er noch immer nicht die Geschwindigkeit von Android-Handys erreicht. Auch die PC-Software Zune, die quasi eine Art iTunes von Microsoft darstellt, will (mir) nicht so recht gefallen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich seit Jahren mit iTunes arbeite und zufrieden bin. Rein optisch ist das Programm jedenfalls ein Fest.

Besonders gut finde ich, dass WindowsPhone 7.5 ebenso gut mit meinen Google-Konten operiert wie das bei Android der Fall ist. Natürlich möchte Microsoft lieber, dass man ein Live-Konto verwendet, aber es geht eigentlich sogar auch ohne. Nur wenn man auf den (noch immer nicht prall gefüllten) Marketplace zugreifen und etwas kaufen möchte, braucht man solch einen Account. Und um es rund zu machen, kann man sich ja gleich noch bei Nokia anmelden. Egal wie – man hat immer einen schönen und komfortablen Überblick über alle Mails. Das macht richtig Spaß!

Der Kalender ist auch ganz gut, nur auf eine Wochenansicht muss man verzichten. Aber auch hier kann man verschiedene Kalender in einer App nutzen, wobei die Termine farblich sortiert werden. Große Klasse ist der Kontakte-Hub. Hier werden alle Konten (Google, Live,Nokia, Twitter, Facebook, …) zusammengeführt und ich habe schnellen Zugriff auf alle Namen. Natürlich kann ich auch Gruppen verwalten, was den Überblick bei vielen Kontakten spürbar erleichtert. Besonders cool ist aber, dass man die „Neuigkeiten“ seiner Kontakte (SMS, Facebook-Status usw.) gleich hier finden kann. Da braucht man für einen schnellen Überblick nicht erst in die spezielle App zu gehen.

Manche Dinge bei WindowsPhone sind aber noch immer nicht praxistauglich. Gut, natürlich ist Bing statt Google als Suchmaschine an Bord. Und für Neulinge mag das Kachel-Design auch toll und praktisch sein. Aber viele Menschen wollen gern ein eigenes Hintergundbild auf dem Smartphone haben. Das kann man hier leider vergessen! Und wie weiter oben schon geschrieben wurde: der Marketplace bietet auch (noch) nicht wirklich die Apps, die ich mag: Waze vermisse ich ebenso wie Dropbox oder auch nur einen vernünftigen Youtube-Zugriff. Dafür bekommt man die Nokia-Navigation auf Wunsch kostenlos dazu. Das ist ja auch schon was.

Es hat sich also etwas getan, aber der große Wurf ist es für mich noch immer nicht. Sowohl Apple als auch Google haben da die Latte in Sachen Praxistauglichkeit etc. deutlich höher liegen. Aber ich will nicht meckern, denn auch die ersten Versionen von deren Betriebssystemen waren zumindest gewöhnungsbedürftig. Ich werde also WindowsPhone weiterhin eine Chance geben – es kann ja schließlich nur noch besser werden. Auf jeden Fall verbessert sich das System auf 3 von 5 Sternen – mit einer weiteren Tendenz nach oben.

Das Handy
Kommen wir nun zum eigentlichen Lumia 800. Hier bin ich schier begeistert! Nokia ist es gelungen, eines der schönsten je veröffentlichten Smartphones zu bauen! Ich habe die schwarze Version, die absolut edel und wertig aussieht. Allerdings erst, nachdem man das tolle Telefon aus einer der typischen Nokia-Verpackungen geholt hat. Denn von außen ist von Hochwertigkeit wenig zu sehen. Das ist im Übrigen nicht nur bei meinem Testgerät so, sondern bei allen im Handel befindlichen Modellen. Das es deutlich besser geht, zeigen z.B. Apple und HTC – und selbst das Base Lutea ist in meinen Augen schöner verpackt. Aber es geht ja um den Inhalt!

Aber zum Schmuckstück selbst: das Design würde ich schon fast als zeitlos bezeichnen, gäbe es die Gattung der Smartphones schon viele hundert Jahre lang. Auf jeden Fall haben die Nokia-Ingenieure ein tolles Stück gezaubert. Das knapp 10 cm große Display nimmt fast die gesamte Front ein und fügt sich dank seiner abgerundeten Kanten (das muss man mal gefühlt haben!) perfekt in das Gehäuse ein. Dieses ist natürlich aus Kunststoff und auf der Rückseite leicht gummiert. Viele Leute mögen das nicht, ich bin ein Fan dieser griffigen Oberfläche. Zusätzlich trägt das Lumia hinten noch eine Metallapplikation

Die Kamera wird durch ein Carl Zeiss Tessar Objektiv gekrönt, ist aber in der Praxis doch etwas lichtschwach. Außerdem fällt es ihr schwer, sich ordentlich zu fokussieren. Dafür nimmt sie dank ihrer 8 Megapixel Videos auch in HD auf. Natürlich im WMV-Format. Der Touchscreen ist ganz leicht zu bedienen, dank des schwarzen Super-AMOLED-Displays stechen die Farben förmlich ins Auge. Fingerabdrücke fallen so auch nur im Standby-Modus auf. Die edle Erscheinung des Lumia 800 wird dadurch unterstrichen.

Aber wo Licht, da auch Schatten: die insgesamt vier Tasten an der Seite des Gehäuses (Lautstärke, Standby, Kamera) sehen nicht nur billig aus, sie wackeln auch wie bei einem billigen China-Import. Das trübt den Gesamteindruck ebenso wie mehr als fragwürdigen Abdeckungen für den Micro-USB-Anschluß sowie die Micro-SIM-Karte. Beide sind eine wackelige Angelegenheit und eventuell auch schnell mal verschwunden. Ansonsten findet sich noch eine 3,5 mm Klinkenbuchse für das Headset oder Kopfhörer, die interessanterweise nicht abgedeckt werden kann.

Der Lieferumfang ist komplett – neben dem Handy mit eingebauten (und nicht wechselbaren) Akku finden sich ein Ladekabel mit einem USB-Charger sowie ein Soft Cover, das Headset, eine Schutzhülle und die Bedienungsanleitung. Zu beachten ist, dass wohl nicht alle Micro-SIM-Karten auch mit dem Lumia 800 funktionieren. Hier kann aber der jeweilige Netzbetreiber helfen – dank eines großen Werbebudgets ist das Smartphone bei allen deutschen Anbietern im Portfolio.

Bewerten möchte ich das Lumia 800 (als Gerät) mit 4 von 5 Sternen. Das liegt einerseits am erstklassigen Design, Abzüge gibt es andererseits für die in meinen Augen unnötigen Abdeckungen sowie die klapprigen Tasten. Somit ergibt sich – zusammen mit der oben beschriebenen Software – eine Gesamtbewertung von 3,5 von 5 Sternen. Der Fairness halber und weil Weihnachten vor der Tür steht runde ich diesen Wert auf und gebe insgesamt 4 von 5 Sternen.

Fazit:
Nokia ist ein tolles Telefon gelungen, welches an ein paar Kleinigkeiten sowie dem Betriebssystem krankt. Aber es besteht Hoffnung auf Besserung, weil Microsoft sicherlich fleißig nacharbeiten wird. Wo Nokia etwas tun muss, ist die Preispolitik. Hier müssen schnellsten preisgünstigere Einstiegsgeräte her, wenn man vom Smartphone-Markt ein größeres Stück abschneiden möchte. Man darf weiter gespannt sein.

Fotos: © Nokia.com


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2 Gedanken zu “Mal ein Nokia, weil es so schön ist

  • Jasmine

    Hallo,

    vielen Dank für diesen Artikel! Ein schöner persönlicher und sachlicher Eindruck, den du da wiedergibst. Ein guter erster Eindruck ist dadurch im voraus möglich;-)

    Liebe Grüße
    Jasmine

    base-botschafter.de

  • BSEplus Autor des Beitrags

    Vielen Dank, Jasmine!

    Solch eine Einschätzung ist immer subjektiv besetzt, jedoch freue ich mich über jede Weiterentwicklung in diesem Bereich. Und hier wird ja etwas getan.
    Wenn die Zeit nicht so lang ist und die „Luft“ reicht, dann taucht Nokia im Duett mit Microsoft vielleicht doch bald wieder oben in den Rankings auf. Wer weiß …

    LG Dirk