Ich glaub, mich tritt ein Pferd! 2 Kommentare


Keine Angst, ich habe mir nicht die „Wendy“ abonniert. Auch nicht für die Kinder. Und mit einem richtigen Pferd (welches ich live getroffen habe) hat es hier auch nichts zu tun. Vielmehr ist dies ein weiterer Erfahrungsbericht aus dem Leben eines Reisenden. Also eines Fremdschläfers. In fremdem, Hotel-eigenen Betten. Und da kann man echt was erleben, auch wenn die Abende auf den Zimmern fast immer sehr langweilig sind. Vielleicht achte ich gerade deshalb verstärkt auf das, was um mich herum so passiert …

Vor meinem Urlaub verbrachte ich eine Nacht in Meißen. Ich kam einigermaßen spät von Finsterwalde herunter, hatte aber das Hotel wieder vorher über HRS gebucht. Laut deren Webseite war das Hotel „Ross“ ein Vier-Sterne-Haus (HRS-Wertung) und es befindet sich lediglich 800 Meter von meinem eigentlichen Ziel entfernt in der Innenstadt. Was ich nicht beachtete: diese Entfernungsangabe kann leicht variieren, weil es sich a) um die Luftlinie handelt und sich b) gerade in Meißen das malerische Flüßchen Elbe dazwischen befindet. Da ich nicht schwimmen kann wollte, musste ich die örtliche Brücke benutzen. Deshalb musste ich doch das Auto nehmen und konnte nicht zu Fuß gehen.

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Gut, das „Ross“ befindet sich in Familienhand und direkt gegenüber des Bahnhofes von Meißen. Früher, als sich der Individualverkehr auf die Dampfrösser beschränkte, war es sicherlich das erste Haus am Platze. Heute kommt es eher etwas … zurückhaltend daher. Aber immerhin hat es einen kostenlosen Parkplatz und ein Restaurant. Also nichts wie hin!

Als ich die Dame an der Rezeption begrüßte und ihr erklärte, dass ich über HRS gebucht hatte, verliess diese fast fluchtartig den Ort des Geschehens. Allerdings nur, um mir einen Herren zu schicken, der sich in solchen Dingen wohl besser auskannte. Er hörte sich mit großen Augen meine Geschichte an, bemerkte dann aber, dass noch gar kein Fax von HRS angekommen sei. Das sei kein Problem, versicherte er mir, das käme öfter vor. Also schnappte er sich einen Schlüssel und ich mir mein Gepäck.

Er führte mich in das „Boardinghouse“, das ich scheinbar ganz und gar allein bewohnte und welches bei mir den Eindruck eines (ehemaligen) Schulungszentrums mit angeschlossenen Zimmern machte. Mein Zimmer fand ich allein und konnte mich endlich auf gefühlten 7 – 10 Quadratmetern zuzüglich Bad ausstrecken. Da ich aber kräftigen Hunger hatte, machte ich mich nur etwas frisch und ging dann wieder hinüber zum Restaurant. Dabei kam ich an zwei älteren Herrschaften vorbei, die ich schon bei meiner Ankunft bemerkt hatte. Sie sahen ihre Lebensaufgabe scheinbar darin, die Lobby (??) vollzuqualmen, wobei sie sich wirklich alle Mühe gaben.

Im Restaurant wurde ich nicht erwartet – es war nämlich niemand da. Also kein Personal – und auch keine Gäste. Als sich ein wenig Furcht in mir breitmachte, kam endlich der Kellner – der junge Mann von der Rezeption! Ah, Personalunion halt. Er brachte mir eine Cola sowie eine Karte. Dabei wies er darauf hin, dass nicht die gedruckte Karte galt, sondern die handgeschriebene. Darauf fanden sich ausnahmslos Speisen, die unter Zuhilfenahme gewisser elektrischer Geräte in relativ kurzer Zeit zuzubereiten waren. Ich entschied mich für ein „Thüringer Holzfällersteak“, was eine gute Wahl in Sachsen sein kann.

Nun verschwand der Kellner / Rezeptionist in der Küche – um mein Essen zu bereiten! Mein Erstaunen wuchs und wurde fast riesig, als ich nach fünf, sechs Minuten mein fertiges Essen bekam: ein gebratenes Holzfällersteak (das ist ein kräftig durchwachsenes Stück Schwein, scharf gebraten), bedeckt mit Röstzwiebeln (die man von der Firma mit K. in der Plastedose kaufen kann) und darüber ein Spiegelei. Daneben lag aufgereit eine große Portion Kartoffelecken (aus dem Backofen??). Im wahrsten Sinne ertränkt wurde das Essen von geschätzt einem Liter Soße undefinierbaren Geschmacks.

Ich will nicht zu sehr meckern – es hat NICHT SCHLECHT geschmeckt. Aber eben auch nicht besonders gut. Da ich Hunger hatte aß ich alles auf und wartete auf den Kellner. Auf seine – natürlich wie überall in Deutschland völlig rhetorische – Frage „Hat’s geschmeckt?“ antwortete ich ihm diesmal wahrheitsgemäß:

Es hat nicht schlecht geschmeckt, aber ich hätte diese Soße weggelassen und stattdessen ein wenig angedünstetes frisches Gemüse dazu gemacht.

Seine Reaktion war einmalig: mit offenem Mund starrte er mich an – und sagte gar nichts. Keinen Ton! Nun war ich perplex und ich überlegte, ob ich wohl zu ehrlich gewesen war? Ich schickte schnell ein „Ist nicht böse gemeint!“ hinterher, aber auch das war dem Rezeptionisten-Kellner-Koch auch irgendwie egal. Immerhin fragte er mich noch, wann ich frühstücken möchte und ob ich wieder den gleichen Platz einnehmen wollte. Das bejahte ich und trollte mich auf mein Zimmer, wieder vorbei an Mister und Misses „Yes, we can smoke!“.

Über den nächsten Morgen will ich gar keine Worte mehr verlieren (das rauchende Pärchen saß übrigens schon wieder in den Sesseln), ich war ehrlich gesagt froh, als ich dort wieder raus war. Ich zahlte also einen Vier-Sterne-Preis, obwohl das Hotel wohl nur drei Sterne  verdient hat, sowie mein Abendessen und war schnell weg. Und wieder habe ich etwas gelernt:

  1. Entfernungsangaben können lügen.
  2. Hotelbeschreibungen können lügen.
  3. Manchmal wäre Fastfood doch eine Alternative.

Ach Mensch, ich will hier kein Meckerkopp sein, aber dieser Umgang mit Gastes Meinung geht m.E. nach gar nicht. Ich poste übrigens auch über gute Beispiele, wie z.B. hier und hier. Und auch aus vermeintlich negativen Artikeln kann sich etwas Positives entwickeln. Liebes Team vom „Ross“ in Meißen – nehmt es mir nicht krumm, sondern als Anreiz, Eure Kunden = Gäste einfach etwas ernster zu nehmen. Und Euch kann ich nur empfehlen, Euch selbst mal ein Bild vor Ort zu machen, denn ich habe hier meine persönliche Erfahrung gepostet.

Bei HRS habe ich das Hotel übrigens in Summe mit 4 von 10 möglichen Punkten bewertet. Diese Bewertung ist bis heute (27. Oktober 2011) aber dort noch nicht zu finden.

http://www.hotelrossmeissen.de

Foto: © Andreas Agne / pixelio.de


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