CD-Rezension: KRYPTERIA – All Beauty Must Die


Die Freude war groß, als schon gestern – und damit einen Tag vor dem offiziellen Release – das neue Album „All Beauty Must Die“ von KRYPTERIA im Briefkasten lag. Auf Amazon war wie immer Verlass! So konnte ich mit ein paar Stunden Vorsprung in die insgesamt 15 Tracks des von mir bestellten Digipacks hineinhören. Nun aber muss sich die neue CD gegen das letzte Album der Band und besonders meinen bisherigen Lieblingssong „Shoot Me“ behaupten.

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The Fatal Kiss“ war sozusagen meine Einstiegsdroge in die musikalische Welt von KRYPTERIA. Insbesondere der Track „Shoot Me“ entwickelte sich dabei zum absoluten Ohrwurm. Da ich die Band im letzten Jahr nicht nur live, sondern sogar hautnah und persönlich erleben durfte, konnte ich mich von der absoluten Spielfreude und Professionalität der Musiker überzeugen. Richtig harte Riffs, schier wahnsinnige Drums, ein treibender Bass und eine sirenengleiche Stimme – KRYPTERIA ist genau mein Geschmack!

Nun also liegt mir das neue Album vor. Die vier Musiker haben auf ihrer Homepage sowie in den sozialen Netzwerken schon jede Menge Appetit auf das neue Material gemacht. Dort ein paar Downloads, hier ein Musikvideo, erste Rezensionen … und endlich die ersehnte Scheibe selbst! Heute ist der offizielle VÖ-Termin, und trotz Feiertag ist der Download z.B. bei Amazon oder iTunes möglich. Die echten CDs werden dann ab morgen in den einschlägigen Stores stehen.

Doch wie wirkt die neue Ladung KRYPTERIA nun?

Schon mit dem ersten Track „Messiah“ werden alle Fans der Band abgeholt: ein Feuerstoß aus Drums, Bass und Gitarre öffnet sofort jeden noch so müden Geist, der erste Choral – und dann kommt schon Ji-In mit ihrer einzigartigen Stimme. Das Stück ist ein grandioser Opener, den man nicht unvorbereitet auf der Autobahn hören sollte. Es ist wie ein freundlich-bestimmtes „Hallo!“ der Band an die vielen Fans da draußen – Verwechslung unmöglich.

Mit leiseren Tönen startet „As I Slowly Bleed“ – doch auch hier kommt kein Zweifel an den Rocker-Qualitäten auf. Der Chorus ist grandios und Ji-In wandelt stimmlich zwischen melancholisch-traurig bis zu kämpferisch-aggressiv und gibt dem Song dadurch eine ungeahnte Dynamik.

Eine bekannte Melodie begegnet dem Hörer im nächsten Track. Bei „Fly Away With Me“ verwendete die Band Auszüge aus „Air„, welches aus der Orchester-Suite Nr. 3 in D-Dur von Johann Sebastian Bach stammt. Damit wird ein Stimmungsbild erzeugt, welches Gänsehaut erzeugt. Kusch an den Drums und Basstier Frank liefern sich dabei ein schon fast an eine Improvisation erinnerndes Rhythmusgefecht, dass dem Song eine ganz besondere Note gibt.

Beim nächsten Track „You Killed Me“ – vorab schon für die treuen Fans als Appetithäppchen veröffentlicht – wird die Geige ausgepackt. Diese klingt rotzig-rostig wie bei einem Country-Stück. Der folgende Choral und ein peitschendes Gitarrenriff machen aber schnell klar, wo hier der musikalische Hammer hängt. Der melancholische Text wird von Ji-In mit absoluter Hingabe präsentiert – man hängt ihr förmlich an den Lippen.

Beim Videodreh zum nächten Song kämpften die Musiker mit zum Teil eisigen Temperaturen. Doch das merkt man dem Stück „Live To Fight Another Day“ keinesfalls an. Vom zurückhaltenden Beginn über den Chorus bis hin zum mit choralem Gesang unterlegten Gitarrensolo von Chris liegt hier ein Stück Musik mit echten Ohrwurm-Qualitäten vor. Und mal ehrlich: der Clip ist auch ein Hingucker geworden.

Mysteriös beginnt dann „Eyes Of A Stranger„, der aber schon nach kurzer Zeit ein unverkennbarer KRYPTERIA-Kracher ist. Besonders beim Chorus möchte man einfach nur noch mitschreien und feiern. Auf diesen Song freue ich mich schon, wenn die Band ihn live präsentiert. Der Text oder besser dessen Aussage kommt mir dabei seltsam vertraut vor – ich muss mal dringend überlegen, woran das liegen könnte.

Jetzt schmeissen wir aber mal eine ordentliche Schippe ins Feuer: „Thanks For Nothing“ ist der absolute Headbanger-Track zur Halbzeit des Albums. Komplettiert wird der absolute Druck seitens Kusch und Frank durch eine angenehme Melodie, die das Mitsingen erleichtert und die dank Ji-Ins Stimme ganz schnell ihren festen Platz im Kopf hat. Das fast schon epische Gitarrensolo von Chris ist die Sahne obenauf. Genial!

Turn The World Around“ geht da etwas sanfter zu Werke, ohne auf KRYPTERIA-typische Elemente zu verzichten. Alles beim Alten, könnte man meinen – wenn da nicht diese Überraschung wäre: Kusch nimmt das Mikro in die Hand und zelebriert in schönster Crossover-Art einen Rap-Part, der dem ganzen Song eine besondere Größe gibt. Dieses Stück wird Bandgeschichte schreiben!

Nun endlich kommen wir zu dem Teil des Albums, der wirklich ein Shootout darstellt: „Higher“ wurde mit illustrer Unterstützung von Tobias „Eggi“ Exxel und Olli Singer (der Chris während seiner Auszeit mehr als würdig vertreten hat) an der Gitarrenfront eingespielt. Und da hat sich Chris absolute Haudegen an die Seite geholt. Dieses Shootout muss man mehrmals hören, um wirklich alle Feinheiten zu erkennen. Das ist echte Metalkunst!

Einen ganz kurzen Besuch stattet Doro dem Album ab. Beim mit 2’58“ kürzesten Stück der CD namens „Victoria“ singt sie im Duett mit Ji-In und bringt mit ihrer rauchigen Stimme einen schönen Gegenpol zu deren glasklaren Gesang. Hier stehen echte Freundinnen nebeneinander, hier geht alles Hand in Hand. Dieses Duett wird gekrönt durch ein kurzes, aber prägnantes Gitarrensolo von Chris.

Warum kann etwas so Gutes so weh tun? Dieser Frage geht die Band in dem balladesken Song „(How Can Something So Good) Hurt So Bad“ nach. Dem sanften Gesang von Ji-In stehen akustische Gitarre, vorsichtige Drums und ein für Frank schon fast ungewohnt trauriger Bass zur Seite. Zum Schluss hin steigert sich der Song dann aber zu einer kraftvollen, starken Hymne und wird wohl Heerscharen von Fans dazu verleiten, die Feuerzeuge anzumachen.

Und dann ist für mich der Höhepunkt des Albums erreicht. Titel 12 mit dem martialischen Namen „The Eye Collector“ ist ein Werk von fast schon epischer Tiefe. Das muss auch so sein, wird hier doch die Handlung des Romans „Der Augensammler“ von Sebastian Fitzek adaptiert. Und da mehr als 11 Minuten viel Platz bieten, wird hier die ganze Bandbreite des KRYPTERIA-Könnens in die Waagschale geworfen: neben Ji-In tragen auch die drei Jungs zum starken Gesangspart bei und Ji-In interpretiert ein Stück von Beethovens Piano-Sonate Nr. 14. Darauf baut sich dann eine ganz starke orchestrale Metal-Sektion auf. Insgesamt lässt sich das Werk aufgrund seiner Vielschichtigkeit recht schwer beschreiben – man muss es gehört haben. Die bedrohliche Grundstimmung des Themas wird dabei aber einzigartig übermittelt.

Und schon sind wir bei den drei Bonustracks des Digipacks angekommen. Der erste davon ist „Get The Hell Out Of My Way“ in der 2011er Fassung. Gesanglich liefern sich in dem aus dem Jahr 2004 stammenden Song Sängerin Ji-In und Drummer Kusch eine richtige Schlacht. Das ist KRYPTERIA, so kennt man sie von Konzerten – und auch in dieser Version wird der Song viele Freunde finden.

Liberatio 2011“ ist eine Piano-Version des wohl bekanntesten Hits der Band. Dazu muss man nur einen Namen sagen: Ji-In. Beeindruckend und für Gänsehaut sorgend.

Den Abschluß bildet schließlich nach ca. einer Stunde feinster Musik der Track „Come Hell Or High Water„. Noch einmal große Chöre, noch einmal eine einprägsame Melodie – ich höre förmlich tausende Fans mitsingen. Ein würdiger Abschluss dieses tollen Albums!

Als Fazit bleibt mir zu sagen, dass mich die vier Krypterianer auf keinen Fall enttäuscht haben. Sie legen mit „All Beauty Must Die“ ihre beste, ihre reifeste Scheibe vor, die in den amtlichen Metal-Charts des Jahres 2011 schon jetzt ganz weit oben rangiert. Hier zeigen professionelle Musiker, wo in Sachen Songarbeit der Hammer hängt und wie man bei dieser Arbeit auch noch richtig Spaß haben kann.

Von mir bekommt das Album deutliche fünf Sterne verliehen. Und wie ich vermute, wird es nicht nur bei mir ab sofort in der Heavy Rotation laufen. Gegenüber dem Vorgängerwerk „The Fatal Kiss“ hat sich die Band noch einmal deutlich gesteigert, und mein Ohrwurm „Shoot Me“ muss wirklich um seine Position fürchten.

Was mir noch fehlt? Na ganz klar: die Live-Termine für 2011! Doch damit werden uns Ji-In, Kusch, Frank und Chris sicherlich nicht mehr lange warten lassen.

Erschienen ist das Album beim Label Liberatio Music. Weiter Informationen zur Band findet Ihr auf
www.krypteria.de

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